Schritte zur Zero Waste Stadt

Wir rufen die lokale Politik auf, Köln zur ‘Zero Waste Stadt’ zu machen und konkrete Ziele und Handlungspläne zur Müllreduzierung aufzustellen. Städte wie San Francisco und Vancouver oder auch ganze Länder wie Costa Rica machen es vor und schreiben sich offiziell “Zero Waste” auf die Fahne. Wie sieht es in Deutschland, in Köln, vor unserer eigenen Haustüre aus? Was können wir hier bei uns bewegen? Lokale Ziele sind greifbar und relativ einfach durchzusetzen.

Umgang mit Wertstoffen (Müll)

Circular Economy

Die Stadt Köln muss sich offiziell das Ziel setzen, eine Kreislaufwirtschaft, also eine Circular Economy einzuführen und auch danach handeln. Eine funktionierende Kreislaufwirtschaft, senkt langfristig Kosten und macht unabhängig von Rohstoffimporten.

Komposttonne

Verpflichtung zur braunen Tonne.
Viele Mieter wünschen sich eine braune Tonne um ihren Kompost separat entsorgen zu können. Viele Vermieter verweigern sich dem jedoch. Eine Verpflichtung zur Kompostierung könnte die Restmüllmenge sehr stark reduzieren und die Wertstoffausbeutung erhöhen.

Sperrmüll legalisieren

Die Mitnahme von Sperrmüll muss legalisiert werden. So können Menschen, die Möbel und andere Gegenstände noch gebrauchen können diesen auch völlig legal mitnehmen. Das verlängert die Nutzungsdauer von Gebrauchsgegenständen, reduziert den Bedarf an neuen Gütern und damit auch das Müllaufkommen

Karton Sammlungen

Da der Onlinehandel über nicht zu bremsen ist, ist es sinnvoll darüber nachzudenken ihn müllreduzierter gestalten zu können. Sammelstellen für gebrauchte Kartons sollten in jedem Stadtteil zu finden sein. Hier könnten Kartons zum Beispiel aus dem Verstandhandel abgegeben werden und von Versandhändlern zu einem erneuten Versand eingesammelt werden.

Sammelstellen für Wertstoffe

Wertstoffe müssen getrennt gesammelt werden, damit sie weiterhin genutzt werden können. Deshalb sollten solche Sammelstellen gezielt gefördert und unterstützt werden. Getrennte Sammlungen machen zum Beispiel für Kronkorken, Zigarettenstummel und Kork Sinn. Auch könnte darüber nachgedacht werden, die Ausgeber solcher Materialien zur Rücknahme zu verpflichten, wie das bei Batterien der Fall ist.

Bauteilnetz

Das Bauteilnetz sollte auch in Köln wieder eine Börse haben. In Bauteilbörsen können gebrauchte Bauteile erstanden werden und somit die Neuproduktion und der Bauschutt reduziert werden. Außerdem sollten Baustellen dazu verpflichtet oder gefördert werden bei Umbau- und Abrissarbeiten, noch brauchbare Bauteile dort abzugeben, anstatt sie zu entsorgen.

Infofilm

Umsonstläden

Umsonstläden, in denen Gegenstände kostenfrei abgegeben und abgeholt werden können, müssen gefördert und in jedem Stadtteil vorhanden sein. Eine Förderung solcher Einrichtungen ist sehr wichtig, da sie sowohl eine Lokalität aus auch regelmäßige Pflege und Aufsicht benötigen, aber kein Geld erwirtschaften. Dadurch können jegliche Gegenstände, die nicht mehr gebraucht werden, aber noch funktionstüchtig sind, einfach abgegeben und vor dem Müll gerettet werden.

Hundekotsammlungen

Spezielle Mülltonnen für Hundekot, zur getrennten Sammlung und Kompostierung. Die entsprechenden Kottüten müssen kompostierbar sein.
Vorbild Vancouver

Werbe- und Wahlplakate

Werbe- und Wahlplakate sollten nur noch aus Kunststoff bestehen dürfen, wenn diese wiederverwendet werden. Ansonsten sind Rohstoffe aus nachwachsenden Rohstoffen und recyclebare Materialien zu bevorzugen.

Mülltonnen aus Recyclat

Neu angeschaffte Mülltonnen müssen aus Recyclingkunststoff produziert werden.

Zero Waste Mülltonne

Einführung von deutlich kleineren Mülltonnen, angepasst an Haushalte die kaum Müll produzieren. Eine finanzielle Entlastung für Menschen, die weniger Müll produzieren, spornt die Haushalte zur Mülleinsparung an. 

Sperrmüll terminieren

Sperrmüll sollte wieder stadtteilbezogen zu einem bestimmten Termin eingesammelt werden, so dass gezielt Menschen diese Stadtteile aufzusuchen können, um solche Gegenstände mitzunehmen, die sie noch gebrauchen können. Das verlängert die Nutzungsdauer von Gebrauchsgegenständen, reduziert den Bedarf an neuen Gütern und damit auch das Müllaufkommen. 

Mikroplastik durch Autoverkehr

Der motorisierte Individualverkehr muss drastisch reduziert werden, um dessen Anteil am Mikroplastik in der Umwelt zu senken. Dafür ist die Fahrradinfrastruktur zügig deutlich zu verbessern und das ÖPNV Netz auszuweiten. Der Fahrradverkehr muss gezielt privilegiert werden gegenüber dem Autoverkehr. Um den eigenen PKW möglichst unattraktiv zu machen, müssen die Parkgebühren und das Falschparken deutlich teurer werden. Es braucht mehr Kontrollen und der ÖPNV muss viel günstiger werden. 

Baugewerbe

Sperrmüll sollte wieder stadtteilbezogen zu einem bestimmten Termin eingesammelt werden, so dass gezielt Menschen diese Stadtteile aufzusuchen können, um solche Gegenstände mitzunehmen, die sie noch gebrauchen können. Das verlängert die Nutzungsdauer von Gebrauchsgegenständen, reduziert den Bedarf an neuen Gütern und damit auch das Müllaufkommen. 

Öffentliche Komposthaufen in jedem Veedel

Durch direkte Kompostierung im Veedel kann der Transportaufwand für den Kompost deutlich reduziert werden. Außerdem bekommen Bürger einen Bezug zu dem Kreislaufsystem zurück, weil sie ihn direkt vor der Nase haben und im Idealfall auch in dessen Pflege mit eingespannt werden.
Ein weiterer Pluspunkt ist der einfache Bezug von wertvoller unverpackter Komposterde. Ein Auto ist dafür nicht mehr nötig. Die Erde kann einfach mit einem Lastenrad (Leihrad) transportiert werden.

Müllverbrennungsanlage

Es müssen offen Lösungen diskutiert werden, wie mit der überdimensionierten Kölner Müllverbrennungsanlage umgegangen wird. Das Müll der recyclefähig ist verbrannt wird, darf aus Gründen der Ressourcenschonung nicht sein.

Recyclingquote erhöhen

Die Recyclingquote von stofflichem Recycling muss deutlich erhöht werden. Das energetische Recycling ist aus der Statistik herauszunehmen, da es keine sinnvolle Aussagekraft hat.

Lebensmittel

Supermarkt

Supermärkte und andere Lebensmittelgeschäfte müssen dazu verpflichtet werden ihren Müll zu trennen und noch essbare Lebensmittel  an Tafeln oder Foodsharing e.V. zu spenden. Dadurch hinterlassen Supermärkte deutlich weniger Müll, der nicht recyclebar ist und Lebensmittel werden nicht verschwendet. Kontrollen sind wichtig, um diese Ziele zu erreichen.

Foodsharing

Foodsharing kooperiert mit Supermärkten und holt dort noch essbare Ware ab, die aber nicht mehr verkauft und sonst im Müll landen würde. Die “geretteten” Lebensmittel werden in öffentliche Verteilstellen gebracht, den ‘Fairteilern’, aus denen sich jeder Bürger frei bedienen kann. Um Lebensmittelverschwendung deutlich zu reduzieren sollte der Verein in seiner Arbeit unterstützt und gefördert werden. Deutlich mehr ‘Fairteiler’ müssen in den verschiedenen Stadtvierteln für alle zugänglich aufgestellt werden.
Durch eine Verpflichtung von Supermärkten zur Mülltrennung würden deutlich mehr von ihnen auch freiwillig mit Foodsharing kooperieren. Auch ein Verbot essbare Lebensmittel wegzuschmeißen, ist zu prüfen (Vorbild: Frankreich) 

Essbare Stadt

Die ‘Essbare Stadt’ muss ausgerufen und gefördert werden. Durch die gezielte Setzung von Nutzplanzen und -Bäumen innerhalb der Stadt, kann nicht nur der Versorgungsaufwand der Bewohner reduziert werden. Ein zunehmender Anteil an Selbstversorgung erhöht auch die Wertschätzung und den Bezug zur Natur und den Grünflächen.
Die Vision

Trinkbrunnen

Das Netz der Trinkbrunnen muss deutlich ausgeweitet werden. Jedem Bürger soll eine schnelle und einfache Versorgung mit Trinkwasser ermöglicht werden, ohne den Kauf von abgefülltem Wasser (meist in Einweg-Plastikflaschen). 
Sowohl auf der Straße, als auch in allen öffentlichen Gebäuden und in Schulen müssen solche Trinkbrunnen aufgestellt werden. 
Auch wenn zur Zeit noch Bedenken bestehen, dass diese Brunnen missbraucht werden, so werden sich diese Bedenken in Luft auflösen, sobald diese Brunnen zur Normalität geworden sind. In den USA und in Kanada finden sich solche Brunnen in jeder Schule und werden rege benutzt. In Italien haben Trinkbrunnen in den Städten eine lange Tradition.

Coffee to go

Bäckereien, Cafés, Kioske und alle Lokale, die Coffee-to-go ausschenken, benötigen eine einheitliche und eindeutige Erlaubnis, diesen auch in mitgebrachte Becher ausschenken zu dürfen. Gesundheitsämter sollen bei Kontrollen gezielt auf die Erlaubnis und die entsprechenden Hygienemaßnahmen hinweisen, um das Angebot auszuweiten.

Containern legalisieren

Es darf nicht verboten sein, Müll mitzunehmen. Jeder der etwas mit dem Müll anderer Menschen (und Supermärkte) anfangen kann, sollte dies auch tun dürfen. Idealerweise werden Wertstoffe aber frühzeitig vor dem Mülleimer bewahrt, so dass sie gar nicht erst in die Mülltonne gegeben werden.

 Bildungs- und öffentliche Einrichtungen

Handtücher in KiTas

Das Nutzen personalisierter Handtücher muss ganz offiziell in allen Kitas erlaubt sein. So werden Einmal-Papiertücher eingespart und das Müllaufkommen der Kitas stark gesenkt. 

Trockenseifenspender

Alle öffentlichen Gebäude sollten mit Trockenseifenspendern ausgestattet werden. Flüssige Seife benötigt deutlich mehr Verpackung, mehr Konservierungsmittel und hat einen höheren Transportaufwand als feste Seife. Damit die Seife trotzdem nicht angefasst werden muss, gibt es Trockenseifenspender. Dreht man an dem Rad, fallen Seifenraspel heraus, mit denen man sich die Hände waschen kann.
Um die Akzeptanz zu erhöhen ist eine zusätzliche Kampagne sinnvoll, die auf das Einsparpotential von Trockenseifenspendern hinweist.

Repaircafés

Repaircafés bieten eine großartige Möglichkeit kaputte Gegenstände zu reparieren, auch wenn man selbst nicht viel Verständnis dafür mitbringt. Damit sich solche Cafés überall etablieren können, müssen Räumlichkeiten dafür gefördert werden. Eine Kombination mit Umsonstläden wäre ideal.
Repaircafés

Konsumfreie Räume

Konsumfreie Räume müssen erhalten, geschaffen und gefördert werden. Dazu gehören Gemeinschaftsgärten, Bouleplätze, Bürgerzentren und Eltern Kind Treffpunkte aber auch Bänke und Autofreie Räume auf der Straße. Solche Räume haben großes Potential die Stadtteile zu beleben, den Austausch unter den Nachbarn erst zu ermöglichen und alternative Beschäftigungsmöglichkeiten zum Konsum zu bieten. Im Gegensatz zu Geschäften, Cafés und Restaurants wird hier weder Müll produziert noch unnötiges gekauft. Außerdem erlauben konsumfreie Räume auch Geringverdienern am öffentlichen Leben teilzunehmen, da man dort kein Geld ausgeben muss. 

Werkzeugbibliotheken

Genau wie Bücher auch sollte jeder Stadtteil eine Werkzeugbibliothek erhalten, die es den Bürgern ermöglicht Bohrmaschinen und Co zu nutzen, ohne sich solche Geräte selbst anschaffen zu müssen. Die Nutzungsintensität der Geräte wird somit erhöht und weniger Geräte von schlechter Qualität landen früher oder später im Müll.

Schulfach

Da nicht davon ausgegangen werden kann, dass die notwendigen Grundlagen für einen ressourceneffizienten Lebensstil zu Hause gelernt werden, sollten diese in der Schule vermittelt werden. Einzelne Projektwochen sind ein guter Anfang, aber bei weitem nicht ausreichend. Inhalte wie Müllvermeidung, Mülltrennung, Herkunft und Förderbedingungen von Rohstoffen, Rohstoffkreisläufe, globale Folgen unseres Konsumverhaltens, Alternativen zum Konsum, Kreislaufwirtschaft, alternative Lebensstile, andere mögliche Wirtschaftssysteme usw. sollten im Idealfall in einem eigenen Schulfach vermittelt werden. 

Aufkleber zur Aufklärung

Öffentliche Mülleimer sollten mit aufklärenden Botschaften beklebt werden, die zum Beispiel auf die immensen Kosten hinweisen, die anfallen, diese zu leeren und was man sinnvolleres damit Finanzieren könnte.

Veranstaltungen

Köln Marathon

Der Köln Marathon produziert jedes Jahr unglaubliche Mengen an Müll. Ein Faktor sind die Einwegbecher, aus denen die Läufer trinken. Diese sollten durch Mehrwegbecher ersetzt werden. Um das Einsammeln der Becher nach dem Lauf zu ermöglichen ist die Kombination mit einem autofreien Sonntag die ideale Lösung, das schafft Zeit zum Aufräumen und besser Luft für die Läufer. 

Außerdem sollte der Marathon stärker finanziell gefördert werden oder alternative Finanzierungsmöglichkeiten durchdacht werden, um auf die Wegwerf-Werbeaccessoires der Sponsoren verzichten zu können.

Silvesterfeuerwerk

Das Silvesterfeuerwerk hat mittlerweile maßlose Züge angenommen. Es verursacht damit jede Menge Müll an Orten wo keine Stadtreinigung hinkommt und sehr hohe Feinstaubwerte. Um das Ausmaß zu verringern, könnten Feuerwerke z.B. höher besteuert werden. Am Rheinufer sollte Feuerwerk komplett verboten werden, da hier ein hoher Anteil des entstehenden Mülls mit dem Rhein ins Meer geschwemmt wird. Auch in Parks ist ein Verbot sinnvoll wegen des zurückgelassenen Mülls und dem Schutz der dort lebenden Tiere.

Überregionale Maßnahmen

Mikroplastik in Kosmetik und Reinigungsmitteln

Mikroplastik als Bestandteil von Kosmetik und Reinigungsmitteln muss zeitnah verboten werden um die Belastung unserer Gewässer mit Mikroplastik zu reduzieren.

Ware vernichten verboten

Das vernichten von (Retour-) Ware muss verboten und streng kontrolliert werden, um der immensen Verschwendung von Ressourcen entgegenzuwirken.

Geplante Obsoleszenz

Das gezielte Einbauen von Schwachstellen in Geräte und Gegenstände um ihren verfrühten Verschleiß herbeizuführen muss mit allen Mitteln unterbunden werden. Ermöglicht würde das durch eine Ausweitung der Garantiepflicht auf längere Zeiträume und auf mehr Produkte. 
Mehr Informationen

Verpackungssteuer

Die Verpackungssteuer muss überarbeitet werden. z.B. sollten Inverkehrbringer von Verpackungsmaterial, die gebrauchtes Material nutzen, bevorzugt werden (Onlinehandel).

Batterien abschaffen

Batterien sollten, wie die Glühbirne, komplett abgeschafft werden und vollständig durch wiederaufladbare Akkus ersetzt werden.

Reparaturfähigkeit

Neu auf den Markt gebrachte Produkte müssen reparaturfähig und Akkus austauschbar sein. Schutzhüllen dürfen nicht verklebt werden, sondern müssen abnehmbar gestaltet werden, um auf dem deutschen Markt verkauft werden zu dürfen. Außerdem ist dafür Sorge zu Tragen, dass diese Vorgaben auch eingehalten werden.

Lasst uns drüber sprechen

Schreibt uns oder sprecht uns auf einer unserer Veranstaltungen an und lasst uns gemeinsam über unsere ‘Zero Waste Köln’ Vision sprechen. Wir haben noch einige weitere Ideen und konkrete Umsetzungsvorschläge und freuen uns, zusammen mit euch daran zu arbeiten.

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